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Filmkritiken und Essays

The kids are all right

Montag, 22. November 2010

The kids are all right, Plakat

Biologisch, lesbisch, konventionell

Julianne Moore und Annette Bening kämpfen unterhaltsam mit den Problemen, die ein unverhofft auftauchender Samenspender in einer Familie mit zwei lesbischen Müttern auslösen kann. Die hervorragenden Schauspieler lassen fast vergessen, dass sich der Film nicht für eine Perspektive entscheiden kann und trotz seiner ungewöhnlichen Konstellation äußerst konventionell bleibt.

Auf Bitten ihres 15-jährigen Halbbruders Laser (Josh Hutcherson) erkundigt sich die gerade 18 Jahre alt gewordene Joni (Mia Wasikowska) nach dem Mann, der ihr gemeinsamer Vater ist. Die beiden wurden durch eine Samenspende gezeugt und von jeweils einer ihrer lesbischen Mütter Jules (Julianne Moore) und Nic (Annette Bening) geboren.

Paul (Mark Ruffalo), der charmante und bodenständige Besitzer eines Bio-Restaurants, ist nicht abgeneigt, seine beiden Kinder kennenzulernen und möchte gerne mit ihnen in Kontakt bleiben. Anders als Laser findet Joni Paul sofort sympathisch, doch ihre Mütter Jules und Nic sind alles andere als begeistert davon, diesen Fremden in ihre Familie eindringen zu lassen.

Nach einem ersten Treffen stellt sich Nic weiterhin vehement gegen ihn, aber Jules hat Gefallen an Paul gefunden und nimmt als angehende Landschaftsarchitektin den Auftrag an, seinen Garten neu zu gestalten. Eine Affäre entspinnt sich zwischen den beiden, während Jules Ehe mit Nic immer stärker in die Krise gerät. Als Paul ihr gesteht, sich in sie verliebt zu haben, merkt Jules, dass sie einen großen Fehler begangen hat. Doch diese Erkenntnis könnte zu spät kommen.

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Augenschmaus

Wenn man das Kino verlässt, hat man das Gefühl, einen richtig netten Film gesehen zu haben. Seltsamerweise hält dieses Gefühl aber nicht lange an. Die Gründe für beides sind leicht zu finden. Das Herausragende an The Kids are all right sind ohne jeden Zweifel seine Schauspieler. Sowohl Annette Bening als auch Julianne Moore sind – wie nicht anders zu erwarten – großartig in ihren Rollen, auch wenn sie Regie und Drehbuch leider allzu oft als nervende „wir-müssen-über-ALLES-reden“ Übermütter inszenieren. Aber wenn die bezaubernd unsichere Jules und der zum Rotwein neigende Kontrollfreak Nic ihre großen Momente haben, dann könnte man ihnen ewig zusehen.

Auch Mia Wasikowska, die vor kurzem die Titelrolle in Tim Burtons Alice im Wunderland spielte, macht sich als sensibler Teenager vielversprechend neben ihren beiden Filmmüttern. Wunderbar anzusehen ist aber vor allem Mark Ruffalo, der vollkommen mühelos zwischen sorgenfreiem Lebemann und herrlich bemühtem Neu-Vater hin und her wechselt, der nebenbei seine Blicke und Finger einfach nicht von der lesbischen Mutter seines Sohnes lassen kann. Dabei wirkt er so liebenswert und hilfslos, dass man ihn gleich zum Hauptdarsteller seines eigenen Films machen möchte.

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Wessen Geschichte?

Doch damit stellt sich schon die Frage, wessen Geschichte hier eigentlich erzählt wird. Tatsächlich kann sich der Film für keine eindeutige Erzählperspektive entscheiden und wechselt mal von der Sehnsucht eines jungen Mannes, seinen Vater kennenzulernen, zu der Herausforderung eines Mädchens, sich von den überfürsorglichen Müttern zu lösen, hin zu den Beziehungsproblemen eines Ehepaars und dann wieder zu der Frage eines ewigen Jungesellen, was er sich eigentlich für seine private Zukunft wünscht. Eine Menge netter Geschichten, die aber jede für sich zu kurz kommt. Der Handlungsstrang um Laser, der sich zuerst nach einem Vater sehnt, gleich beim ersten Treffen von ihm enttäuscht ist und später lernt, sich von einem Freund zu distanzieren, der ihn nicht gut behandelt, endet sogar einfach in der Mitte des Films, woraufhin er nur noch als Statist am weiteren Geschehen teilnimmt.

Auch bemüht sich der Film allzu offensichtlich, mit seiner Geschichte um eine lesbische Familie und einen Samenspender besonders unkonventionell zu wirken. Diese verkrampfte Bestrebung resultiert dann entweder in braven lesbischen Sexszenen während im Fernseher ein Schwulenporno läuft oder in ständigen Ehe-Zänkereien zwischen zwei ach so sensiblen Frauen, die alles am liebsten politisch korrekt ausdiskutieren wollen. Hat man das mal überstanden, bleibt ein vollkommenes All-American-Familienidyll, samt ultrabraver, intelligenter und sportlicher Kinder und eine tausendmal gesehene Ehekrise aufgrund gegenseitigen Missverstehens und eines Seitensprungs. Aber immerhin entschädigen die Schauspieler für vieles.

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Kinostart Österreich: 19. November 2010

Kinostart Deutschland: 18. November 2010

Von Carolin Färber

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Regie: Lisa Cholodenko

Drehbuch: Stuart Blumberg, Lisa Cholodenko

Jules: Julianne Moore

Nic: Annette Bening

Paul: Mark Ruffalo

Joni: Mia Wasikowska

Laser: Josh Hutcherson

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