Sonntag, 14. November 2010

Vom Missgeschick zum Vaterglück
Manchmal muss man Umwege gehen, um endlich zu erkennen, dass man füreinander bestimmt ist. Weniger romantisch, eher nüchtern-charmant präsentiert sich die Liebesgeschichte zwischen zwei Freunden, die sich trotz ihrer Vorhersehbarkeit nicht in seichten Dialogen und plattem Humor verliert.
Seit Jahren sind Wally (Jason Bateman) und Kassie (Jennifer Aniston) eng miteinander befreundet. Sie leben beide in New York, sind beruflich erfolgreich und Single. Die pragmatische, schlagfertige Kassie ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Frau, die mit Wallys Neurosen und seiner pessimistischen Weltsicht umgehen kann.
Eines Tages teilt Kassie Wally mit, dass sie sich entschlossen hat, ein Kind zu bekommen. Da sie nicht mehr länger warten will, derzeit aber keinen Mann an ihrer Seite hat, will sie sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen. Entgegen Wallys Annahme soll allerdings nicht er der Auserwählte sein, sondern ihr nur dabei helfen, einen passenden Spender zu finden. Wally ist ganz und gar nicht begeistert von Kassies Vorhaben, von ihrer Absage an ihn und am wenigsten von ihrer schlussendlichen Wahl: Roland (Patrick Wilson) ist sportlich, charmant und lebensfroh – im Grunde also das genaue Gegenteil von Wally.
Als ihre Freundin Debbie (Juliette Lewis) eine Befruchtungsparty für Kassie veranstaltet, genehmigt sich Wally in seinem Frust ein paar Drinks zu viel. Im Badezimmer entdeckt er in einem kleinen Behältnis Rolands Sperma und verschüttet es versehentlich. In Kürze soll jedoch Kassies Befruchtung vollzogen werden, weshalb Wally in seiner Not keinen anderen Ausweg sieht, als Rolands „Spende“ durch seine eigene zu ersetzen. Am nächsten Tag kann sich Wally an nichts mehr erinnern.
Kurze Zeit später berichtet Kassie von ihrer geglückten Schwangerschaft und ihrem Plan, zurück nach Minnesota zu ziehen. Sieben Jahre vergehen, bis sie Wally überraschend mit der freudigen Nachricht konfrontiert, bald wieder in New York zu sein. Eigentlich kann Wally mit Kindern nicht sehr viel anfangen, aber Kassies altkluger, leicht neurotischer Sohn Sebastian (Thomas Robinson) erstaunt ihn. Umso näher sich die beiden kommen, desto mehr beginnt Wally die Ähnlichkeiten zu sich selbst zu erkennen. Langsam entsteht der Verdacht, Sebastian könnte sein Sohn sein und auch seine Erinnerung kommt schrittweise zurück.
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„Plan B für die Liebe“ trifft auf „About a Boy“
Eine Frau, die nicht mehr auf den Richtigen warten will, um sich endlich ihren Kinderwunsch zu erfüllen und ein Mann, den Kinder eigentlich nicht so sehr begeistern, aber der plötzlich Vatergefühle entwickelt. Das kennen wir doch irgendwoher. War es nicht vor kurzem erst Jennifer Lopez, die dasselbe wollte, wie jetzt Jennifer Aniston? Und es ist gar nicht so lange her, als Hugh Grant auf einen kleinen Jungen getroffen ist, der sein Herz erobert hat – genauso wie es nun Jason Bateman ergeht.
Dass das Genre der romantischen Komödie nicht unbedingt durch Abwechslung besticht, ist keine Neuigkeit. Aber es kommt bekanntlich nicht darauf an, was man hat, sondern nur, was man daraus macht. Und auch, wenn man schon Besseres gesehen hat, so bewegt sich Umständlich verliebt als Gesamtpaket doch im oberen Mittelfeld.
Zu verdanken ist das vor allem den Machern, die anscheinend darauf wert gelegt haben, ihre Geschichte nicht allzu sehr mit gezielten Gags auszustatten, sondern der natürlich entstehenden Komik der Geschehnisse ihren Lauf zu lassen. Indem es vermieden wird, in den Slapstick abzurutschen, gelingt es auch, die ernsthaften Züge der Geschichte geltend zu machen. Abseits dem Witz, der manchen Situation innewohnt, sind es nämlich vor allem tiefgehende Gefühle wie Freundschaft, Liebe und die Angst, jemanden zu verlieren, die den Film begleiten.
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Eine gute Mischung
Auch die gelungene Wahl der Darsteller ist nicht zu verachten. Allen voran der entzückende Junge Thomas Robinson, dessen große, oft traurig wirkende Augen verzaubern. Im Zusammenspiel mit Jason Bateman, dem man seinen Pessimismus und seine Neurosen – ebenso wie „Klein-Wally“ Sebastian – vollkommen abnimmt, ist es diesmal Jennifer Aniston, die den etwas bodenständigeren Part innehat. Wobei sie natürlich nach wie vor das nette Mädchen von nebenan bleibt. Das kennt man zwar schon, aber irgendwie gelingt es ihr trotzdem immer wieder, dass man sie gerne in dieser Rolle sieht. Abgerundet wird das Ensemble von Jeff Goldblum als Wallys Vorgesetztem Leonard, der die Nüchternheit seiner Figur gekonnt auslotet, indem er der Ironie, die so manch einer seiner Bemerkungen innewohnt, aufgrund seiner sich kaum verändernden Mimik eine gewisse Schärfe verleiht. Nicht zu vergessen ist auch Juliette Lewis, die sich wieder einmal wunderbar in die Rolle der etwas verrückten Freundin zu fügen weiß.
So sind es vor allem die Charaktere, durch die sich Umständlich verliebt von seinen Genregenossen abhebt. Statt einem Haufen lebensbejahender, fröhlicher Figuren wird man hier mit Pragmatikern, Neurotikern und Zynikern konfrontiert. Damit war jedoch zu rechnen, stehen doch die Produzenten von „Little Miss Sunshine“ und „Juno“ hinter diesem Projekt. An diese beiden absolut hinreißenden Komödien kann man diesmal zwar nicht anschließen, aber in punkto trockenem Humor und intelligenten Dialogen zeigen sich durchaus Ähnlichkeiten, die den Film zu den sehenswerteren seines Genres werden lassen.
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Kinostart Österreich: 12. November 2010
Kinostart Deutschland: 11. November 2010
Von Alexandra Cech
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Regie: Will Speck & Josh Gordon
Drehbuch: Allan Loeb
Kassie: Jennifer Aniston
Wally: Jason Bateman
Roland: Patrick Wilson
Leonard: Jeff Goldblum
Debbie: Juliette Lewis
Sebastian: Thomas Robinson